Heinrich Maria Davringhausen (1894 – 1970) zählt zu den Wegbereitern des Magischen Realismus und der Neuen Sachlichkeit. Im Berlin und München der 20er Jahre gilt er als eine der schillerndsten Künstlerpersönlichkeiten, als ein eleganter Bohemien mit großer Ausstrahlung und als innovativer Vorreiter neuer Bildwelten
   Die Kritik erkennt in seiner Malerei eine »blasphemische Schamlosigkeit der Gesinnung« und stellt zugleich seine »Liebe zu handwerklicher Vollkommenheit« fest. Zu seinen engsten Freunden zählen die Maler George Grosz, Carlo Mense, Anton Räderscheidt und die Brüder Wieland und John Herzfelde.
   Von den Nationalsozialisten als Maler verfemt, emigriert er bereits 1933 mit seiner jüdischen Frau und den Kindern zunächst nach Mallorca, dann nach Paris, Ascona und Südfrankreich, wo er nach dem Zweiten Weltkrieg in Haut-de-Cagnes eine neue Heimat findet.
   1937 werden in deutschen Museen 20 Bilder Davringhausens von den Nazis beschlagnahmt. In der Ausstellung „Entartete Kunst“ hängt u.a. sein Gemälde „Mond durchs Fenster“ das die Ruhmeshalle Barmen 1922 kaufte.
   Nach 1945 schafft er ungebrochen und mit großer Arbeitsdisziplin ein Spätwerk, das sich konsequent aus den Bildvorstellungen der frühen Schaffensperiode entwickelt.
   In den 1960ern Jahren begann die neue Auseinandersetzung mit der Kunst der Vorkriegszeit und seitdem tauchen der Name Davringhausen und seine Arbeiten in mehreren Veröffentlichungen und Ausstellungen über Expressionismus, Magischen Realismus und Neue Sachlichkeit auf. Als Resultat der langjährigen Forschungsarbeit von Frau Dr. Dorothea Eimert, der ehem. Direktorin des Dürener Museums, in dem  der Nachlass des Künstlers bis 2010 untergebracht wurde, entstand das große Werkverzeichnis mit einer Monografie, die ein umfassendes Bild des Lebens und des Werkes Davringhausens liefert.
   Mittlerweile widmen sich einige Museen verschiedenen Phasen seiner künstlerischen Entwicklung, wie z.B. das Bonner Landesmuseum mit der Ausstellung "Davringhausen. Vom Expressionismus bis zur Neuen Sachlichkeit" im Jahre 2013 oder das Ascona Museo d'arte moderna mit der Ausstellung "Davringhausen. Die Freiheit der Abstraktion" im Jahre 2014. Noch in dieser Sommer-Herbst Saison 2015 sind mehrere Werke Davringhausens in der großen internationalen Ausstellung "Neue Sachlichkeit/New Objectivity. Modern German Art in the Weimar Republik 1919-1933" in Venedig und Los-Angeles zu sehen. Weitere Ausstellungen sind geplant, beispielsweise von der Münchner Pinakothek der Moderne, die im vorigen Jahr ein weiteres Werk des Künstlers erwarb (Weiblicher Akt in Architekturen, 1916).

Chronologie

1894
Geboren am 21.Oktober in Aachen

1914
Erste Ausstellungen in der Galerie Flechtheim, Düsseldorf
und der Galerie Otto Feldmann, Berlin

1915
Erste Arbeiten im Stil der „Neuen Sachlichkeit”
Freundschaft mit George Grosz und den Brüdern Herzfelde

1919
Einzelausstellung in der Galerie Neue Kunst Hans Goltz, München
Vertrag mit H. Goltz wie auch Klee, Grosz, Kanoldt

1925
Teilname an der legendären Mannheimer Ausstellung
„Neue Sachlichkeit”

1928
Freundschaft mit Räderscheidt, Hoerle und Schaefler

1932/33
Emigration mit seiner jüdischen Frau nach Mallorca

1936/37
Spanischer Bürgerkrieg: Flucht über Paris nach Ascona
In deutschen Museen werden 20 Bilder Davringhausens von den
Nazis beschlagnahmt. In der Ausstellung „Entartete Kunst” hängt
u.a. sein Gemälde „Mond durchs Fenster” (Wvz.  144),
das die Ruhmeshalle Barmen1922 kaufte

1939-45
Ausweisung aus der Schweiz
Wechselnde Aufenthaltsorte in Frankreich und Internierung im
Lager Les Milles. Dort trifft er auf M. Ernst, A. Räderscheidt,
W. Hasenclever, E. Meyer, L. Feuchtwanger und A. Kantorowicz

1945-69
Ansiedelung in Haut-de-Cagnes als Henri Davring, ein umfangreiches
abstraktes Spätwerk entsteht

1970
Heinrich Maria Davringhausen stirbt in Nizza

Einzel-  und  Gruppenausstellungen in ganz Europa z.B
Galerie Le Deux Iles – Paris, dem Museo Civico – Turin,
Galerie d’art Latin – Stockholm,
von der Heydt-Museum – Wuppertal, Haus am Waldsee – Berlin