In Automobil Forum Berlin
Unter den Linden 21
10117 Berlin

"parcours 11“
Berliner Kunst: 
Auswahl aus den letzten Hundert Jahren

Heinrich Maria Davringhausen;
Georg Baselitz, Joseph Beuys, Jörg Immendorf, Markus Lüpertz, A.R. Penk, Sigmar Polke, Wolf Vostell;
Pia Andersen, Artists Anonymous, Aldo Cristofaro, David Koenig, Axel Lischke, Heiner Mayer, Jan Mövius, molitor&kuzmin, Philipp Sladkowski, Saygel & Schreiber

in Kooperation mit 
BENTLEY MOTORS and AUTOMOBIL FORUM BERLIN
Ausstellung:
11. November  - 12. December 2011

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Parcours 11
Berliner Kunst: Eine Auswahl aus den letzten 100 Jahren

„Berlin ist mehr ein Weltteil als eine Stadt.“ Jean Paul 

Teil I      „Berlin!Berlin!“
 „Die Tage klappen, der Trott des täglichen Getues rollt sich ab – und wenn wir nun hundert Jahre dabei würden, wir in Berlin, was dann-? Hätten wir irgendwas geschafft? Gewirkt? Etwas für unser eigentliches wahres Leben gehabt? Wären wir gewachsen, hätten wir uns aufgeschlossen, aufgeblüht, hätten wir gelebt - ?
Berlin! Berlin!“ (1919) Ignaz Wrobel, alias Kurt Tucholsky 

Der enorme Aufschwung der Künste in der neuen  deutschen Hauptstadt  wächst seit zwei Jahrzehnten und gewinnt kontinuierlich an Kraft. Dieser Boom ist zwar in erster Linie den politischen Ereignissen der jüngsten Geschichte zu verdanken,  die den Boden dafür vorbereitet haben,  aber genauso ist er von der kulturellen Tradition Berlins nicht zu trennen, die ihre Wurzeln in der Epoche der Goldenen Zwanzigern hat  und somit ein Jahrhundert zurück liegt.  In jener Zeit wurde die Stadt bekanntlich zum lebhaften, pulsierenden  Zentrum des künstlerischen und geistigen Fortschrittes, das allein mit Paris wetten könnte. Die ergreifenden wie ernüchternden Ereignisse und Erlebnisse  des ersten Weltkrieges und die darauf kommenden Veränderungen in der Welt brachten die Nachkriegsgeneration zur Suche nach den neuen Ausdrucksmitteln. Die neue pazifistisch gestimmte geistige Elite traf sich in einigen Berliner Cafés ,um gemeinsam gegen den Krieg „etwas zu tun“ (W. Herzfelde). Else Lasker-Schüler, Theodor Däubler, Martin Buber, Hugo Ball, Walter Benjamin,  Franz Jung, Ludwig Meidner, Heinrich Maria Davringhausen, Georg Grosz, Paul Gangolf waren bei aller ihrer Verschiedenheit überzeugt, dass  die eigentliche Künstlerrolle darin besteht, der Vorbote der neuen Zeiten, ja der Revolution zu sein. Der Erneuerungsdrang inspirierte die Künstler zu einer neuen Sprache: Eine neue Welt war im Entstehen und es galt hier, ihr eine neue Stimme zu geben.  Aus einer bunten Reihe diverser expressiver Stile und Richtungen, welche die nahliegende Jahrhundertwende hervorgebracht hatte, kristallisierte sich allmählich eine neue, nüchterne und vereinfachte Formensprache der Neuen Sachlichkeit heraus, die dem neuen Leben einen adäquaten Ausdruck zu verleihen vermochte. Berlin zählt man mit Recht zu den Geburtsorten der Neuen Sachlichkeit oder Verismus, eines jenen künstlerischen Stiles, der den Expressionismus ablöste und sich durch eine zwar reduzierte dafür aber präzise Formgebung behauptet. Die Neue Sachlichkeit übte einen großen Einfluss auf die Entstehung kritisch-realistischer Kunstströmungen aus und beeinflusste mit ihrer Formensprache auch spätere Generationen von Künstlern.

Heinrich Maria Davringhausen (1894-1970),  gehört bewiesenermaßen zu den Künstlern, die die Neue Sachlichkeit bereits in Berlin  entwickelt und entscheidend mitgeprägt haben.  In der Zeit während und nach dem Ersten Weltkrieg gehörte er zum Kreis der Expressionisten, Dadaisten und Avantgardisten, die damals Berlin zu einer internationalen Kunstmetropole machten.
Er galt als eine der schillerndsten Künstlerpersönlichkeiten, als ein eleganter Bohemien mit  großer Ausstrahlung und als innovativer Vorreiter neuer Bildwelten. Die Kritik erkannte in seiner Malerei eine »blasphemische Schamlosigkeit der Gesinnung« und stellte zugleich seine »Liebe zu handwerklicher Vollkommenheit« fest.Georg Grosz, die Brüder Herzfelde,  Anton Räderscheidt beispielsweise zählten zeitlebens zu seinen besten Freunden. In Berlin gehörte er auch zum engen Kreis um die Schriftsteller Theodor Däubler, Walter Benjamin, Martin Buber, Hugo Ball, Else Lasker-Schüler, Richard Hülsenbeck u.a., die sich regelmäßig im Cafe des Westens trafen.
Von den Nationalsozialisten als „entartet“ erklärt, gehört Heinrich Maria Davringhausen  zur sogenannten „verschollenen Generation“ von Künstlern, die nun nach und nach neu entdeckt werden. Die Ausstellung zeigt eine Auswahl von Werken des Künstlers vom Beginn des 20. Jahrhunderts bis in die 50er Jahre, die zum Teil erstmals öffentlich zu sehen sind. Seine kunstgeschichtlich wegweisenden Gemälde sind bereits in vielen bedeutenden Museen Deutschlands zu sehen. Sein herausragendes Spätwerk wartet auf Entdeckung. 

Teil II    „Ein Fluidum von Interessen…“
„Berlin ist ganz Funktion, Element, Atmosphäre. Seine Tendenz ist Flucht. Diese Flucht wird hinwiederum abgefangen und zurückgeschnellt. Ein Fluidum von Interessen belebt das Ganze. Berlin holt jeden in seine Arena zurück. Alles vibriert, alles durchkreuzt sich, alles rückt sich zurecht. Berlin ist ungemein interessant, d.h. Interesse erregend, es nicht zur Ruhe kommen lassend. Nichts festigt sich hier, nichts ist seiner ganz sicher.“  (1957) Martin Kessel

Die erschreckend-befremdenden  Erfahrungen des zweiten Weltkriegs und die darauffolgende Polarisierung und Neuverteilung der Welt fanden  ihren Ausdruck  in der stilistischen Gegenüberstellung der künstlerischen Sprachen. Das Abstrakte und das Gegenständliche traten als Purismus und sozialistischer Realismus  gegen einander in Konkurrenz und standen nun von verschiedenen Seiten der Mauer, wofür  Berlin wiederum ein gutes Beispiel liefert.  Langsam begannen sie jedoch,  von einander zu lernen und einander zu beeinflussen. Solche Künstler wie Georg Baselitz, Jörg Immendorf,  A.R. Penck, Markus Lüpertz, Sigmar Polke, Wolf Vostell, Josef Beuys u.a.,  die sich kritisch mit der deutschen Nachkriegsgeschichte auseinandersetzten und der in den 60er-70er Jahre weit verbreiteten Abstraktion eine neue Gegenständlichkeit entgegensetzten:  Nach der Ermüdung am Purismus westlicher Kunst der siebziger  Jahre wurde der Blick frei für das Sinnliche, das Malerische – auch im Hinblick auf die „Entdeckung“ Realistischer Malerei der DDR. Es kann kein Zufall sein, dass gerade die Pioniere einer neuen Malerei expressiver Gestik im Westen aus der ehemaligen DDR flüchteten wie Georg Baselitz, A.R. Penck, Sigmar Polke, Günther Uecker.
Die achtziger Jahre hat man als Wiedergeburt der Malerei bezeichnet. Eine Wiedergeburt gab es jedoch nicht, sondern lediglich eine Fokussierung auf diese, die sich als eine Horizontale stets neben den Minimalisten, den neuen Medien und neuen Ausdrucksformen weiterentwickelt hatte. 

Georg Kern 1938 Deutsch-Baselitz, sächsische Oberlausitz,  geboren,  Georg Baselitz, kam Ende der fünfziger Jahre aus der DDR nach West-Berlin. In dieser Zeit malte Baselitz schwerfällige Charakterfiguren mit amorphen Körperteilen und grober Fleischigkeit: Rebellen, Ringer, Partisanen. Seit 1969 stellt er seine Figuren auf den Kopf. Das sinnverkehrte Motiv, so äußerte er, stellt sich selbst in Frage. Seine Bilder verblüffen, offenbar stehen sie auf dem Kopf. Fast nichts deutet darauf hin, dass diese „verkehrte Welt“ tatsächlich so gewollt ist – mit Ausnahme der verlaufenden Farbspuren, die „beweisen“, dass das Bild tatsächlich auf dem Kopf gemalt wurde. Der Verfremdungseffekt ist perfekt. Er soll unsere Aufmerksamkeit vom Bildsujet weg rein auf das Bild als Gegenstand lenken. Das Bildthema besitzt nur noch relative Bedeutung.
Ralf Winkler, alias A.R.Penck, (*1936 in Dresden) wurde 1980 aus der DDR ausgebürgert. Mehrfach von der Kulturbürokratie der DDR schikaniert, betätigte er sich als Heizer, Briefträger und Nachtwächter. 1960/61 entstanden seine ersten Bilder mit „Strichmännchen“, die zum Markenzeichen seiner Kunst wurden. 1968 wählte er aus Angst vor staatlichen Repressionen das Pseudonym A.R. Penck nach dem Geologen und Eiszeitforscher A. Penck (1858-1949). Seine großformatigen Leinwände füllt er mit archaischen Zeichen, Symbolen und Strichmännchen. 
Jörg Immendorff  (* 1945 bei Lüneburg, †2007 in Düsseldorf), ist Vertreter der neuen Historienmalerei in Deutschland. 1976 begegnete er erstmals im Ostteil der Stadt Berlin dem Dresdner Künstler A.R. Penck. Sie leiteten von da an deutsch-deutsche Kunstaktionen in die Wege. Diese Begegnung bedeutete für Immendorff eine Wende in seinem Schaffen. Von nun an konzentrierte sich die Thematik seiner Bilder auf das Phänomen des kalten Krieges, auf die Trennung Deutschlands durch den Eisernen Vorhang. In der Folge entstand von 1977 an die Bildreihe Café Deutschland – eine Bildfolge von intensiver und polemischer Kraft. Café Deutschland wurde zu einer eindrucksvollen künstlerischen Auseinandersetzung mit deutscher Geschichte zwischen Hoffnung und Verzweiflung. Immendorff wählte eine erzählerische Sprache, die persönliches Erleben mit zeitgeschichtlichen Konstellationen bis hin zu grotesken Zuspitzungen verband.
Für Markus Lüpertz( 1941 in Reichenberg geboren),  hat das Motiv wenig Bedeutung. Es ist ihm lediglich Anlaß zur Entfaltung seiner Malerei. Er hat auch als Bergmann, Straßenarbeiter, Ringer und Fußballspieler sich verdingt und läßt sich heute gerne als „Meister“ feiern. „Mich haben immer Oberflächen... Synonyme für irgend etwas interessiert... Mich hat also die Realität nie interessiert. Ich habe meine Expressivität in die Malerei eingebracht und eine ganz spezielle Phantasie zur Anschauung gebracht. Ich bemühe mich um eine inhaltslose, kalte Malerei.“ (M. Lüpertz)
Sigmar Polke  (*1941 in Oels, Niederschlesien, †2010 in Köln; 1945 Flucht der Familie nach Thüringen, 1953 Flucht nach West-Berlin) bewegt sich ganzheitlich zwischen Hochkultur und Trivialem. Er verbindet Reales mit Irrationalem, Magie mit Ironie . Neue Techniken unterstützen den Einfallsreichtum seiner Bildgestalt. Die Wirklichkeit möchte er im Bild ganzheitlich erfassen. Die Bandbreite trivialer Themen oder Themen überlieferter Hochkultur umschließen sein Werk. Und wenn Polke äußert, seine Bilder seien unter Anleitung eines höheren Wesens entstanden, so weist er den Weg ins Unerforschte des Schaffensprozesses, wo Trance, Unbewußtes und Transzendenz eine neue Landkarte der Wirklichkeit zeichnen.
Joseph Beuys (* 12. Mai 1921 in Krefeld, † 23. Januar 1986 in Düsseldorf)  führte in Deutschland der 1960er Jahre den „Erweiterten Kunstbegriff“ ein, der entschieden die Durchdringung von Kunst und Leben forderte. Danach beschränkte sich Kunst nicht mehr nur auf materielle Artefakte, die im Museum oder in einer Galerie ausgestellt werden könnten, sondern auf die gesamte Gesellschaft. Sein Begriff „Sozialer Plastik“ bezog sich auf das Denken und den „gesellschaftlichen Organismus“ als Ganzes mitsamt Politik, Wissenschaft und Künsten. Seine Kunstwerke sind visionäre Skizzen von vergangenen, momentanen und zukünftigen Situationen. Er strebte eine allumfassende Gesamtkunst an, bei der jeder Mensch mitdenken und mitmachen kann und sich so am gemeinsamen Werk der Sozialplastik beteiligen.
Auch Wolf Vostell  (* 14. Oktober 1932 in Leverkusen; † 3. April 1998 in Berlin), einer der Pioniere der Fluxus-Bewegung in Deutschland,  suchte mit seiner Kunst, neue Lebensformen zu schaffen, bei denen nicht das Kunstwerk (Artefakt)  im herkömmlichen Sinne im Vordergrund steht, sondern die schöpferische Idee.  1981 verwirklichte er sein legendares Projekt einer lebenden »Kunstschule«, wo die Menschen mit dem Künstler Erfahrungen austauschen und eigene Reflexionen mit einbringen können:  In der Zeit vom 1. Mai bis 29. September fährt der »Fluxus Zug« als mobiles Museum durch 16 Bahnhöfe in Städten von Nordrhein-Westfalen mit jeweils wechselndem Rahmenprogramm. Der Zug enthält 7 Environments über Liebe, Tod, Arbeit.
Das Bild „Die Entstehung des Menschen“  stammt aus dem letzten Wagon des „Fluxus Zug“ und  wurde sofort erworben und wird in der Ausstellung zum zweiten Mal öffentlich präsentiert. 

Teil III   „pred-à-terre“ (Übersetzung: Fuß auf dem Boden, gemeint  zweiter Wohnsitz)
„Viele Menschen sind nirgendwo zu Hause, sondern ständig unterwegs. Berlin ist das perfekte Beispiel eines Ortes, an dem Menschen mit unterschiedlicher Herkunft zusammenkommen, weiterziehen oder ein paar Jahre bleiben“  (2011) Angelique Campenns, Fredi Fischli, Magdalena Magiera, Jakob Schillinger, Scott Cameron Weaver 

Heute ist Kunst  erneut zu einem wichtigen Merkmal Berlins geworden. Wie vor hundert  Jahren ist Berlin  in diesen Tagen  wieder nicht nur die politische Hauptstadt Deutschlands, sondern auch eine neue Kunstmetropole, ein mondäner Treffpunkt der Kulturschaffenden aller Welt und eine einzigartige Bühne für die zahlreichen internationalen kulturellen Events. Alle Kulturbereiche sind in Berlin vertreten: Literatur, Theater, Kino, Mode  und vor allem auch die bildende Kunst.  Seit dem Mauerfall  wurde Berlin weltweit zunehmend attraktiver für Künstler, die von überall kommen, um hier zu leben und zu arbeiten. Kein Wunder, dass die Stadt von der Kreativität so brummt. Dank der Künste wandelt sich Berlin zu einer innovativen zukunftweisenden Werkstatt, in der die weltweit bekannten Traditionen, Stile und Techniken zum globalen Neuen verschmolzen werden.  

Die heute in berlin lebende jüngere Generation von Künstlern, zeichnet sich dadurch aus, dass sie in der ganzen Welt zu Hause ist.  So wie die Künstler der deutsch-britischen Künstlergruppe  Artists Anonymous  für ihre Kunst weder  einen Personennamen noch einen festen Wohnsitz  brauchen, sehen sie keinen Sinn, die Gattungen der Kunst von einander und vom Leben zu trennen: „Es gibt keine Trennung zwischen Malerei und Fotografie, Kunstwissenschaft oder Religion. Dieser künstlerische Prozess, der Negatives und Positives gleichzeitig trennt und vereint, hat zugleich eine künstlerische, wissenschaftliche und geistige Bedeutung.“(Artists Anonymous)
Auch  Pia Andersen (*1960), eine gebürtige Dänin, die heute in Berlin und Spanien lebt, macht keinen Unterschied zwischen Phantasie und Wirklichkeit. Das Geheimnis ihrer Landschaftsbilder besteht darin, das sie weder reale Landschaften darstellen, noch imaginäre. Die farbenfrohen Bilder sind in einer unnachahmlichen Manier gemalt, die eine Mischung aus Abstraktion und Realität darstellt.
Exklusiv für die Ausstellung kreieret das Künstlerduo  molitor&kuzmin die 12 Meter lange Lichtinstallation „Milchstraße“ in Anlehnung an das Weltall und zugeschnitten auf einen Bentley New Continental GT. Auch weitere Lichtobjekte ziehen sich als verbindendes „Band“ durch den gesamten Raum. Das Künstlerduos molitor & kuzmin  arbeiten mit dem industriellen Massenprodukt Leuchtstoffröhre, setzen identische Teile zu einem Kunstwerk zusammen.  Die Leuchtstoffröhre ist Form und Farbe zugleich.
Anders als molitor&kuzmin  gibt das Künstlerkollektiv  Saygel und Schreiber den Leuchtstoffröhren ihrer  Lichtobjekte  bizarre Formen  und bunte Farben.  Die  in der Luft schwebende farbenreiche Lichtskulptur haben sie extra für die Ausstellung entwickelt .
Der auf Sizilien geborene Absolvent  der Berliner Universität der Künste und Wahlberliner Aldo Cristofaro (*1970) bezeichnet sich selbst als „Sammler seiner visuellen und audiellen Umgebung“:   Während seiner Spaziergängen durch Berlin, lässt  er sich von Graffiti-Spuren, Asphalt-Mustern oder Autostaus   inspirieren. Deren wilden Formen und leuchtenden Farben gibt er auf seinen Leinwänden Struktur, Leichtigkeit und Harmonie, die uns sonst nur „aus dem eigenen Innenleben bekannt ist: die Muster auf der Rückseite geschlossener Augenlider zum Beispiel, das Nachglühen von Sonnenlicht auf der Netzhaut oder das ganz persönliche Feuerwerk beim hoch konzentrierten Hören von Musik. Aufregend und beruhigend zugleich“(Monopol).
Der in Höxter geborene Axel Lischke, arbeitete in den 80er Jahren während seines Studiums an der Hochschule der Künste als Fernfahrer. Als Erinnerung daran schuf er 2004 eine monochrome silberne Skulptur „Fahrende Kathedrale“, die zwar einen LKW meint, aber wie ein Tempel wirkt.  Sie besteht aus  90000 Muttern und 75000 Schrauben , die in 550 Stunden Arbeit zu einem 190 Kilo schweren und 3,25 Meter langen Gebilde zusammengewachsen sind. Auch seine großformatigen Zeichnungen, beeindrucken nicht nur als Studien zu den Skulpturen, wie er sie oft bezeichnet, sondern als selbstständige Arbeiten.
David Koenigs (*1974) Fotoarbeiten aus der Serie „Pablic Privacy“ sind sein Versuch, den Menschen, die sich auf den  öffentlich “Social Sites" präsentieren, durch die Unschärfe ihre Privatsphäre zurück zu geben.
Das Werk des in Bielefeld geborenen Pop-Art Künstlers Heiner Mayer (*1953) weist häufig gegensätzliche Elemente auf. Gerne verbindet er  das Gegenständliche mit dem  Abstrakten  oder bringt unterschiedliche Techniken  zusammen: Malerei mit Fotografie , Druckgrafik mit Skulptur etc.
Jan Mövius (*1976), ein gebürtiger Berliner,  vermischt  in seinem Werk auf witzig-gewitzte Weise Malerei mit Literatur, Musik, Bühnenkunst  und Film, die er in seinem großformatigen neo-figurativen  Gemäldezyklus „Durch Berlin“  zu einem Gesamtkunstwerk  verschmelzen lässt.
Philipp Sladkowski (*1983)ist der jüngste Künstler in dieser Ausstellung. Eben gerade seine Meisterschülerprüfung bestanden,  gehört er zu der Generation von Künstlern, die sich mit alten wie mit neuen Medien gleich vertraut fühlen und sich nicht vorstellen können und wollen, auf diese Vielfalt der Ausdrucksmöglichkeiten zu verzichten. Malerei, Zeichnung, Collage, Assemblage, Skulptur, Fotografie, Video, Installation – zwischen diesen Gattungen agiert auch Philipp Sladkowski und schafft so seine hinreißende Welten, in denen er selbst - als Protagonist und Superheld - auftritt.